Die Socke – das verkannte Kleidungsstück

 

Die Vorteile einer wärmenden Fußbekleidung wussten schon die alten Römer zu schätzen. Bei ihrem Marsch nach Britannien schützten sie ihre Füße mit Wollsocken gegen die ungewohnte Kälte – und trugen dabei Sandalen. Das verrät eine altrömische Bronzestatue, die südlich von London gefunden wurde. Der Begriff „Socke“ ist übrigens ein Lehnwort des lateinischen Wortes soccus. So bezeichneten die Römer einen eng anliegenden Schlüpfschuh, der vor allem im Haus getragen wurde.

Kein Kleidungsstück wird so wenig beachtet, wie unsere Socken. Dabei wird kein anderes Kleidungsstück so beansprucht. Obwohl unsere Socken weitgehend ein Leben im Verborgenen fristen (außer natürlich in den obligatorischen Sandalen des deutschen Griechenland-Touristen :-) ), müssen Socken extreme Belastungen aushalten. Je nach Gewicht des Trägers wirken 50-150 Kilo viele Stunden täglich auf die Socke ein. Wenn nicht alles perfekt sitzt, kommt noch dauerhafte Reibung hinzu. Und Hitze und Feuchtigkeit sowieso. Kaum ein anderes Kleidungsstück würde solch einer Dauerbelastung standhalten. Kein Wunder also, wenn das ein oder andere vermeintliche Schnäppchen bereits nach kurzer Zeit den Geist aufgibt. An der Langlebigkeit erkennt man die Qualität einer Socke. Wenn sie ihren Träger trotz dieser extremen Belastungen über Jahre begleitet, dann weiß man, dass man die richtige Wahl getroffen hat.

Woran erkennt man eigentlich eine gute Socke?

  • Verstärkte Belastungszonen

Ferse und Spitze sind bei guten Socken oft verstärkt. Beide Bereiche werden besonders beansprucht, da dort die Reibung und der Druck besonders groß ist.

 

Socken Inliner
Loch in Socke
  • Handgekettelte Spitze

Für viele Menschen beginnt der Tragekomfort einer Socke an der Spitze. Die Naht an den Zehen verursacht in engen Schuhen schnell Druckstellen. Deshalb kommt es auf die Qualität der Kettelung, also des Vernähens der vorderen Zehennaht an. Wird diese von Hand vernäht, ist die Spitze druckfrei, elastisch und die Naht besonders flach. Da diese Variante sehr zeit- und arbeitsaufwendig ist, sind diese Socken oft deutlich teurer. Die Handkettelung kann bis zu 20 Prozent des Kaufpreises ausmachen. Billigere Alternativen sind maschinell vernäht (sogenannte Rossonähte), die spürbar unregelmäßiger, oft wulstig und schlechter verarbeitet sind. Zudem geht die Naht schneller auf. Beim nächsten Sockenkauf lohnt sich also ein Blick ins Innenleben der Socke: Wenn man sie auf “links” dreht, erkennt man schnell, wie flach und gleichmäßig die Zehennaht ist. Interessant dabei ist übrigens, dass fast ausschließlich der europäische Kunde diese Art der Naht nachfragt. In den USA und in Asien ist sie deutlich weniger verbreitet.

  • Ferse

Es gibt zwei Arten bei einer Socke eine Ferse einzuarbeiten – die sogenannte “echte” und die “falsche” Ferse. Bei der echten Ferse wird diese direkt in den Socken eingestrickt. Dies lässt sich durch die ausgeprägte L- Form der Socken und durch die Maschenführung und Nähte im Fersenbereich erkennen. Die echte Ferse wird als Zwischenschritt in der Herstellung (Zylinderstrickung) eingearbeitet, nachdem der Füßling fertiggestellt wurde. Eine “falsche” Ferse wird durch nachträgliche thermische Behandlung der Socke eingebügelt. Solch eine Ferse verschwindet oft schon nach mehrmaligem Waschen und sorgt für schnellere Abnutzung des Materials im Fersenbereich.

Katalog Blaue Brücke 1
Socken auf Brücke
  • Der Sockenbund

Ein weiteres Qualitätsmerkmal von Socken ist der Bund. Hier gibt es ja nach Alter, medizinischer Notwendigkeit und persönlicher Präferenz unterschiedliche Meinungen, was optimal ist. Grundsätzlich unterscheidet man den Piqué-Bund und den Standard-Bund. Der Piqué-Bund ist etwas eleganter und die Fäden sind wabenförmig vernäht. Der Standard-Bund besteht aus senkrechten, abwechselnd dicken und dünnen Maschenreihen, die durch einen Gummizug zusammen gehalten werden. Die Qualität eines Bundes erkennt man an einem ausgewogenen Verhältnis aus Druck und Haltbarkeit. Wenn man also nach einem Tag des Tragens starke Abdrücke an Schienbein und Wade hat, die auch nach ein paar Minuten nicht verschwinden, ist der Druck zu stark, denn dadurch wird die Blutzirkulation beeinträchtigt. Ein Soft-Abschlussrand soll so wenig Druck wie möglich ausüben und trotzdem über den Tag einen guten Halt haben. Der Verzicht auf Gummifäden und der Einsatz spezieller Dehnungsfalten sorgt für einen optimalen, venenfreundlichen Tragekomfort. Der Bund ist typischerweise ein wenig breiter. Dadurch kann sich der Druck auf eine größere Fläche verteilen und er rutscht trotzdem nicht ab. Diese Socken sind auch besonders gut für Diabetiker und ältere Menschen geeignet.

  • Perfekte Zusammensetzung

Socken des täglichen Bedarfs werden normalerweise aus drei verschiedenen Materialien hergestellt. Der Großteil sollte aus Baumwolle bestehen, hinzu kommt Polyamid, das unter dem Handelsnamen Nylon besser bekannt ist, und Elasthan. Alle drei Bestandteile haben ihre Berechtigung und ihren Nutzen. Bei der optimalen Zusammensetzung gibt es unterschiedliche Meinungen. Ein hoher Baumwollanteil ist auf jeden Fall ein Qualitätskriterium, da es den Tragekomfort erhöht. Ein kleiner Anteil an Kunststofffasern ist dennoch empfehlenswert, weil er dafür sorgt, dass die Socke langlebiger, scheuerresistenter und feuchtigkeitsdurchlässiger wird. Diesen Effekt kennt man von Funktionswäsche, die bekanntlich im Sport vielseitig eingesetzt wird. Bei Sportsocken ist daher ein besonders hoher Anteil an Kunstfasern empfehlenswert. Auch auf Elasthan sollte nicht verzichtet werden: Es sorgt dafür, dass die Socke über die Zeit formstabil bleibt.

Baumwolle
Socke
  • Mercerisierung

Hochwertige Baumwollfasern werden mercerisiert, also chemisch veredelt. Die Baumwolle wird dabei unter Einwirkung von Zugspannung hoch konzentrierter Lauge ausgesetzt. Dadurch ist das Garn glatter und seidiger., lässt sich besser färben,und wird formbeständiger. Allerdings verringert sich die Länge der Fasern um bis zu 25%. Deshalb ist mercerisierte Baumwolle auch deutlich teurer.

  • Pilling/Fusseln

Bei Socken aus Naturfasern, wie z.B. Baumwolle, ist das entstehen von Fusseln nach mehrmaligem Tragen und Waschen ganz natürlich. Vollständig vermeiden lässt sich das Fusseln nur bei Kunstfasern. Das sogenannte Pilling ist daher sogar ein Qualitäsmerkmal und zeigt, dass die Socken hauptsächlich aus Naturmaterialien hergestellt werden. Es tritt meistens an den Belastungszonen in Ferse und Spitze auf. Durch gute Verarbeitung kann das Pilling auf ein Minimum beschränkt werden. Diesen Vorgang nennt man “Aufrüstung der Socke”.

buntes Garn von Socke
  • Garnfärbung vs. Stückfärbung

Als Garnfärbung bezeichnet man den die Einfärbung im Garnzustand, also bereits vor dem Stricken der Socke. Da das Garn im ursprünglichen Zustand eine größere Oberfläche zur Farbaufnahme besitzt und so die Farbe besser annimmt, wirkt die Farbgebung edler und gleichmäßiger. Die günstige Alternative für Socken niedrigerer Qualität ist die Stückfärbung, bei der alle Socken zuerst aus weißem Garn gestrickt und im Anschluss wie gewünscht als Ganzes eingefärbt werden. Der Nachteil ist eine schlechtere Farbwirkung und eine wesentlich geringere Farbechtheit.

  • Passt mir diese Socke?

Socken kann man im Normalfall im Laden nicht anprobieren. Wer sich unsicher bezüglich der Schuhgröße ist, für den gibt es einen einfachen Trick: Die Socken-Faustformel.

Nach dieser Regel passen Socken dann, wenn sich der Füßling einmal um die eigene Faust wickeln lässt und sich Ferse und Spitze dabei berühren. Wie auch bei Bauernregeln kann es in Einzelfällen, gerade bei Kindern und Jungendlichen, natürlich zu Abweichungen kommen. :-)

 

Von nun an werdet ihr also nie wieder in einen Laden gehen und sagen „Ich möchte gerne Socken kaufen“, sondern „Ich hätte gerne Socken aus 80% Baumwolle mit 5% Elasthananteil und 200er Nadelqualität.“

HelgeHelga-Bearbeitet