Au Pair - dein Leben in einem anderen Land, bei einer anderen Familie

Was ist ein Au Pair?

Wie bereits beschrieben, lebt ihr im Haus der Familie und kümmert euch um Kinder und Haushalt. Zu wie vielen Teilen ihr jeweils das eine oder das andere macht, hängt von der Familie und ihren Lebensumständen ab.

Egal, ob ihr eine Familie über eine Organisation oder privat findet: Es ist wichtig, dass ihr vorher schon mit der Familie mindestens einmal skyped, um herauszufinden, ob ihr und die Familie zusammen passt und ob eure Vorstellungen denen der Familie ähneln.

Könnt ihr mit dem Alter der Kinder gut umgehen? Müsst ihr im Ausland Auto fahren und traut ihr es euch? Gehen die Kinder in die Schule oder in den Kindergarten? Das alles, genauso wie das Taschengeld und die “Arbeitszeiten”, sind wichtige Fakten, die ihr nicht einfach auf euch zukommen lassen solltet.

Seid euch bewusst, dass auch die Familie ein bestimmtes Risiko eingeht, in dem sie jemand Fremdes in ihr Haus aufnimmt und ihre Kinder in die Obhut einer Person geben, die sie noch nicht so gut kennen. Es ist wichtig, dass ihr Kinder mögt und gerne mit ihnen Zeit verbringt, ohne die Geduld zu verlieren.

Bei den meisten Familien, bzw. Agenturen ist es notwendig nachzuweisen, dass du schon viel Erfahrung mit Kindern gesammelt hast. Beim ersten Skypen merkt ihr auch direkt, ob ihr die Familie sympathisch findet oder nicht. Da ihr ziemlich viel Zeit mit ihnen verbringen werdet, ist das einer der wichtigsten Faktoren.

Das Au-Pair erhält neben einer kostenlosen Wohnmöglichkeit auch noch Taschengeld. Wie hoch das Taschengeld ist, richtet sich nach Arbeitsaufwand, Familie und Land. Die meisten Au Pair Agenturen setzen hier allerdings ein Mindesttaschengeld an, welches euch auch sicher bezahlt werden sollte.

Mit euren Au Pair Kindern könnt ihr verschiedene Aktivitäten angehen, die ihr vielleicht schon aus eurer Zeit in der Jungschar, dem Zeltlager oder der KJG kennt. Je nachdem wie viele Kinder ihr betreut und wie alt diese sind, könnt ihr auf Gruppenspiele, Kindergartenspiele, Erlebnispädagogische Spiele und Lernspiele zurückgreifen. Für schlechteres Wetter bietet sich natürlich auch das Basteln als spaßige Unterhaltung für die Kinder an.

Was gibt es für Au Pair Rechte und Au Pair Pflichten?

Eure Rechte, Pflichten, wie auch andere Rahmenbedingungen sollten in eurem Vertrag festgehalten werden. Diesen bekommt ihr auf jeden Fall schon vor der Reise in das neue Land zugeschickt.

Falls ihr durch eine Au Pair Vermittlung eine Familie gefunden haben solltet, haben diese Organisationen meistens einen vorgefertigten Vertrag, in dem nur noch die individuellen Bedingungen festgelegt werden müssen.

Wenn ihr dann in der Familie seid, euch eingelebt habt und bestenfalls selbst ein kleiner Teil der Familie geworden seid, ist eines besonders wichtig: alles kann, nichts muss. Da ihr an eurem Arbeitsplatz lebt, ist es nicht ganz einfach, feste Arbeitszeiten festzulegen und diese auch einzuhalten.

Dies ist allerdings notwendig, denn die Arbeit als Au Pair kann ganz schön anstrengend sein und ihr braucht auch mal eine Pause. Wenn ihr also nun eure wohlverdiente Pause habt und die Kinder mit euch spielen oder etwas basteln möchten, könnt ihr das natürlich gerne tun, müsst es allerdings nicht.

Ihr habt (falls die Eltern nicht Zuhause sind und es nicht gesondert festgelegt wurde), in einem solchen Fall nicht die Pflicht, euch mit den Kindern zu beschäftigen. Auch das Ausnutzen von euch als Haushaltshilfe oder Koch ist nicht in Ordnung.

Was sollten Au Pairs vor ihrem Start bei der Familie sonst noch wissen?

Generell kümmert sich das Au Pair um kleine Tätigkeiten im Haushalt, wie das Aufräumen der Kinderzimmer und das Aufräumen nach dem Spielen. Auch Bügeln, Staubsaugen oder andere kleine Putztätigkeiten spielen in dem Aufgabenbereich eine Rolle. Beispielsweise die Entrümpelung des Kellers ist allerdings keine Aufgabe eines Au Pairs.

So ähnlich verhält es sich mit dem Kochen: Das Mahlzeitenzubereiten für die Kinder den Tag über oder für das Abendessen ist auf jeden Fall Aufgabe eines Au-Pairs. Aber das Kochen für die große Verwandtschaft Sonntags auf keinen Fall.

Seid euch dessen bewusst und zieht klare Grenzen zwischen einem kleinen Gefallen, der Arbeit und eurer Freizeit. Andererseits sollte sich eure Au Pair Familie auch auf euch verlassen können. Bei euren ausgemachten Arbeitszeiten solltet ihr auf jeden Fall rechtzeitig da sein.

Und falls ihr gerade auf die Kinder aufpasst, solltet ihr euch auch auf die Kinder konzentrieren und nicht nebenbei am Handy sitzen oder auch anderweitig abgelenkt sein.

Es gibt noch mehr Au Pair Rechte! Während ihr im Ausland seid, bekommen eure Eltern noch Kindergeld, falls ihr euren Auslandsaufenthalt noch für eure Bildung nutzt. Belegt ihr in eurer neuen Stadt einen Kurs im College oder in einer Abendschule, so müsst ihr in der Regel einen Nachweis erbringen und diesen an euer zuständiges Amt schicken.

Wenn ihr einen Sprachkurs besuchen möchtet, ist eure Gastfamilie dazu verpflichtet, euch für diese Zeit freizustellen. Generell hat ein Au-Pair in der Woche eine maximale Arbeitszeit von 30 h, während es mindestens vier freie Abende in der Woche hat. Wie ihr also seht, gibt es viele Au Pair Rechte, wie aber auch Au Pair Pflichten, die zu beachten sind.

Mit oder ohne Au Pair Agentur?

Es steht euch frei, eine Au Pair Agentur zum Vermitteln zu nutzen oder auf eigene Faust eine passende Familie zu finden. Beides birgt seine Vor- und Nachteile.

Auf der einen Seite habt ihr mit einer Au-Pair Agentur den Vorteil, dass zwar sowohl ihr, als auch die Familie gründlich gecheckt wird. Ihr habt für Probleme immer eine Ansprechperson bei der Organisation, die euch zuhört und im Zweifelsfall zwischen euch und der Familie vermitteln kann.

Außerdem veranstalten solche Organisationen oft ein oder mehrere Treffen, mit den Au Pairs aus eurer Umgebung. So könnt ihr sehr schnell Freunde und Gleichgesinnte treffen.

Bei einer Au Pair Agentur gibt es meist eine Online Plattform, auf der die werdenden Au-Pairs, wie auch die Familien, einen Steckbrief mit Bildern und einigen Fakten über sich hochladen. Die Agentur berät euch weiterhin über eine passende Au Pair Versicherung.

Für diese ganze Vermittlung und den organisatorischen Aufwand dahinter verlangen die meisten Agenturen eine Gebühr. Mehr dazu erfahrt weiter unten im Artikel bei dem Abschnitt über die Au Pair Kosten.

Falls ihr eine Au Pair Familie auf eigene Faust finden möchtet, müsst ihr diese Gebühr nicht bezahlen, genießt allerdings auch nicht die Vorteile, die solch eine Organisation bietet. Familien könnt ihr in diversen Online Foren oder Facebook Gruppen finden.

Tipp: Facebook Gruppen sind nicht nur für das Vermitteln eurer Familien interessant, sondern helfen euch auch, Freunde in eurer Umgebung zu finden. Sucht doch einfach einmal nach einer Gruppe, in der Au-Pairs in der Nähe zu finden sind. Hier werden Treffen ausgemacht, wie auch Erfahrungen und Tipps ausgetauscht.

Au Pair Vermittlung und Au Pair Organisationen

Wie ihr bei eurer Recherche eventuell schon bemerkt habt, gibt es sehr viele Au Pair Vermittlungen. Meistens sind diese auf bestimmte Regionen beschränkt, was euch die Suche nach einer passenden Au Pair Organisation erleichtert.

Es gibt auch Vermittlungen, die sich auf einige Länder spezialisieren. Englisch, Spanisch und Französisch sprechende Länder sind am beliebtesten. In diesen Ländern ist es auch keine Seltenheit, dass Familien ein Au-Pair beheimaten.

Au Pair Kosten

Wie bereits erwähnt, nehmen Organisationen eine bestimmte Vermittlungsgebühr ein. Diese kann nach Angebot, Service und Land variieren. Meistens bewegt sich diese Aufwandsentschädigung zwischen 300 und 500 €. Den Hin- und Rückflug zahlt das Au Pair in der Regel selbst.

Aber auch auf die Familie kommen diverse Kosten zu. Neben Kosten für die Verpflegung, kommt eventuell auch die extra Versicherung für das Au Pair auf das Auto zu, welches eventuell noch eine neue Führerscheinauffrischung machen muss. Gerade in Ländern, in denen andere Verkehrsregeln gelten, wie zum Beispiel der Linksverkehr, sollten hier vorher noch einmal ein paar wenige Fahrstunden genommen werden.

Auch diese werden von der Familie gezahlt. Das Bereitstellen von Tickets für den öffentlichen Verkehr wird von der Gastfamilie übernommen. Die Pflichten der Gastfamilien können je nach Land variieren.

Kann man auch in Deutschland ein Au PAir aufnehmen?

Selbstverständlich können auch deutsche Familien ein Au Pair aufnehmen. In Deutschland sind die Gasteltern dazu verpflichtet, das Au Pair mit 50 € im Monat bei einem Sprachkurs zu unterstützen.

Tipp: Die Kosten für ein Au-Pair können in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden. Bis zu 4.000 € jährlich können sich Gastfamilien mit den Steuern dem Finanzamt gegenüber geltend machen. Dem Au-Pair muss neben der Verpflegung auch ein eigenes Zimmer zu Verfügung gestellt werden.

Unter dem Strich bekommt ein Au Pair in Deutschland pro Monat mindestens 260 € Taschengeld. Eine Sozialversicherung muss die Familie für das Au Pair nicht abschließen, allerdings eine Unfall- und gegebenenfalls eine Krankenversicherung.

Das Au Pair sollte sich nach der Anreise bei dem örtlichen Einwohnermeldeamt melden und eine Aufenthaltserlaubnis beantragen, falls dies nicht schon vorher über das Visum passiert ist.

Auch ob das Au Pair aus der EU kommt oder nicht, kann einige Unterschiede machen. Im Übrigen: Falls mehr als vier Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben, ist es sogar gestattet, zwei Au Pairs zu beherbergen.

Ein Au Pair Mädchen oder doch lieber ein Au Pair Junge?

Bevor überhaupt erst einmal eine Person ausgewählt wird, stellt sich die Frage: Ein Au Pair Mädchen oder doch lieber ein Au Pair Junge? Dass Jungen sich genauso gut um Kinder kümmern können, wie Mädchen, steht außer Frage.

Falls es in der Familie nur Jungen gibt, kann es sich als Vorteil erweisen, auch einen Jungen anzustellen. Natürlich können auch die Kinder gefragt werden, ob sie lieber eine weibliche oder eine männliche Betreuungsperson hätten.

Wo soll es hingehen?

Nachdem ihr euch nun sicher seid, dass ihr gerne ein halbes oder sogar ganzes Jahr in einer anderen Familie als Au Pair leben möchtet, müsst ihr euch nun noch für ein Land entscheiden, falls ihr dies noch nicht getan habt. Wir stellen euch einige der beliebtesten englischsprachigen Reiseziele vor:

Au Pair USA

Den “American Way of Life” hautnah zu erleben und als vollwertiges Mitglied einer US-Amerikanischen Familie in der USA zu leben und zu lernen: Das alles ist als Au Pair USA möglich. Da die USA ein beliebtes Ziel bei angehenden Au Pairs ist, bieten die meisten Anbieter auch hier einiges an.

In den letzten Jahren wurde Ausländern das Visum zum Einreisen und Arbeiten erschwert. Eine Organisation hilft euch hierbei. Auch wenn ihr ohne Organisation als Au Pair in die USA möchtet, solltet ihr euch auf jeden Fall rechtzeitig um ein entsprechendes Visum kümmern und eng mit eurer Familie dazu in Kontakt stehen. Sie kann euch bestimmt helfen!

Au Pair Kanada

Als Au Pair Kanada zu besuchen, ist nicht nur für Englisch-Interessierte, sondern auch für junge Menschen gut, die gerne ihr Französisch verbessern möchten. In der Gegend Quebec wird zum größten Teil die Sprache unserer Nachbarnation gesprochen. Als CareGiver kümmert ihr euch mit ca. 35h/Woche um die Kinder eurer Gastfamilie.

Obwohl auch bei anderen Ländern einiges an Erfahrung mit Kindern vorausgesetzt wird, solltet ihr bei Kanada mindestens ein halbes Jahr lang ein Praktikum in einem Kindergarten oder anderer vergleichbaren Einrichtung vollbracht haben.

Durch die ganzen verschiedenen Bedingungen und Visaanforderungen ist es auf jeden Fall von Vorteil, mit einer seriösen Agentur nach Kanada zu reisen: Sie hilft euch bei den vielen Formalitäten.

Au Pair England

Die britische Insel ist eines der beliebtesten Zielen für den Au Pair Aufenthalt, da es (noch) den Komfort der EU-Einreisebestimmungen, wie auch die englische Sprache in relativer Nähe bietet. In den kommenden Monaten wird im britischen Parlament immer intensiver über die Brexit Richtlinien entschieden, was auch für euch als Au Pair Veränderungen mit sich bringen kann.

Wer also für seine Zeit im Ausland England wählen möchte, der sollte stets die politischen Veränderungen rund um die Einreisebestimmungen im Auge behalten. Als Au Pair England zu wählen, birgt auf jeden Fall schon einmal einen großen Vorteil: Die Flüge sind je nach Jahreszeit recht billig.

Au Pair London

Einmal nahe oder direkt in einer der schönsten Städte der Welt leben - wer möchte das nicht? Als Au Pair London zu entdecken, ist ein einmaliges Erlebnis. Du kannst dir deine Gastfamilie selbst aussuchen und falls du gerne in der britischen Hauptstadt wohnen möchtest, kannst du auch nur nach Familien suchen, die im Greater London Bereich wohnen.

Colleges in der Nähe deiner Gastfamilie bieten mit hoher Wahrscheinlichkeit Sprachkurse an, die auch zu dir passen. In der Großstadt kannst du dann alles erleben, was London berühmt macht: den Big Ben mit dem House of Parliament, die Tube, die Parks und weitere Attraktivitäten.

Vielleicht kennt ihr London ja bereits von der London Klassenfahrt und kennt euch schon ein wenig in der Stadt aus. In jedem Fall bietet London unendlich viele interessante Orte, bei denen ein Jahr beinahe schon nicht ausreicht, um sie alle zu erkunden.

Au Pair Australien

Für ein Au Pair Australien gelten andere Vorschriften und Bedingungen wie für die USA oder England. Dafür hast du allerdings auch andere Möglichkeiten. In Australien ist es möglich neben deinem Job als (Part-time) CareTaker auch noch einen weiteren Job anzunehmen, um dir etwas dazu zu verdienen!

In Australien benötigt ihr das Working Holiday oder Student Visa. Ob ihr lieber in einer Kleinstadt, im Outback oder in einer Großstadt an der Küste wohnen möchtet, bleibt natürlich euch überlassen. Im Normalfall könnt ihr solche Wünsche bei eurer Vermittlungsagentur angeben.

Tipp: Kombiniert euren Au Pair Aufenthalt doch einfach mit einem Work and Travel? Das Working Holiday Visum ist auch für solche Fälle und Wünsche ausgelegt. Das einzige, was ihr allerdings beachten müsst, ist die Länge des Visums. Besprecht am besten vorher mit eurer Agentur oder eurer Gastfamilie eure Pläne.